Neue Technologien – alte Klischees

Von digitalen Assistenzsystemen und der Verfestigung von Geschlechtsstereotypen

In meinem letzten Blog Beitrag habe ich über „Ms. AI“ berichtet, die sich dafür einsetzen, dass das Feld der Künstlichen Intelligenz mit stärkerer weiblicher Beteiligung weiter entwickelt wird. Wie notwendig das ist, zeigt eine Studie, die vor einigen Tagen von einer Arbeitsgruppe der UNESCO veröffentlicht wurde.

Die Hauptergebnisse der Studie sind:

1. Digitale Kompetenzen sind bei Mädchen und Frauen nach wie vor schwächer ausgeprägt als bei Jungen und Männern. Diese Lücke ist in den letzten beiden Jahren global sogar noch größer geworden. In den Industrienationen zeigt sich dieses Ungleichgewicht vor allem auf der Ebene fortgeschrittener digitaler Kompetenzen, z. B. Know-how im Bereich einer Programmiersprache oder Data Science. Dies steht in Widerspruch zu den gleich guten oder in vielen Ländern sogar besseren Leistungen von Mädchen der 8. Klassen in Mathematik bzw. digitalen Kompetenzen im Vergleich zu Jungen. Allerdings unterscheiden sich Mädchen in der Selbstwahrnehmung dieser Kompetenzen signifikant von Jungen: Mädchen schätzen ihre Leistungen hier deutlich schlechter ein als Jungen das tun. Eine Folge davon ist, dass in Studienfächern im Umfeld Mathematik, Informatik, Naturwisschenschaften und Technik nur knapp 30% der eingeschriebenen Studenten junge Frauen sind.

2. Die Studie stellt einen Zusammenhang zwischen digitalen Assistenzsystemen und der Verfestigung von klassischen weiblichen Stereotypen her. Fast alle auf der Technologie Künstlicher Intelligenz basierenden Assistenzsysteme haben einen weiblichen Namen (Siri, Alexa, Cortana) und die dazu gehörige Stimme ist weiblich. Nur der Smart Speaker von Alibaba ist eine Mischung aus Comic-Katzengesicht und Stimme einer Comic-Figur. Das mit der weiblichen Stimme der Assistenzsysteme transportierte Bild der digitalen Helferinnen ist unterstützend, freundlich, fleißig. Aber auch ein bisschen naiv und zurückhaltend und grenzt sich nicht entschieden gegen unangemessene Äußerungen ab (Nutzer: „You’re hot“, Alexa: „That is nice of you to say“). Dieses Bild wäre auch in den 50er Jahren für junge Frauen als angemessen durchgegangen.

Geschlechterstereotype entwickeln sich also offensichtlich deutlich langsamer als Technologien. Und bis beide Geschlechter gleich stark an der Entwicklung von Technologien beteiligt sind, wird noch einige Zeit vergehen. Es bleibt also noch Einiges zu tun. Gut, dass das Bewusstsein dafür wächst und es Initiativen wie Bayerns Frauen in Digitalberufen und Ms. AI gibt.

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