Rückblick auf den Open Government Tag 2019

Das IT Referat der Stadt München hatte eingeladen und viele sind gekommen. Der Saal im Alten Rathaus ist voll, als am 28.11.2019 der Open Government Tag startet. Ziel der Veranstaltung ist es, Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Forschung und Bürgerschaft zum Thema Digitalisierung ins Gespräch zu bringen. Das Motto in diesem Jahr war „Mensch statt Technik“. Es sollte beleuchtet werden, was notwendig ist, damit Digitalisierung für unterschiedliche Gesellschaftsgruppen wirklich wirken kann. Ich habe als digital interessierte Bürgerin teilgenommen und möchte hier gerne meine Eindrücke und Erkenntnisse teilen.

Nach einer Begrüßung durch Stadträtin Anne Hübner und Thomas Bönig, dem IT Referenten der Stadt, gab es 5 Vorträge zu unterschiedlichen Themen. Dazwischen bestand die Möglichkeit zum Austausch der Teilnehmenden. Flankiert wurde die Veranstaltung von verschiedenen Informationsständen, an denen man unter anderem erfahren konnte, wie der digitale Zwilling von München funktioniert, wie die Münchner Berufsfeuerwehr digitale Lösungen nutzt oder wie ein Unternehmen seinen Reifegrad bezüglich der digitalen Arbeitswelt ermitteln kann.

Ich habe aus der Veranstaltung diese Einsichten mitnehmen können:

  • Wirkungsvolle digitale Kommunikation im öffentlichen Bereich bedeutet Communities aufzubauen. Communities sind virtuelle Gemeinschaften, in denen Themen diskutiert und bearbeitet werden. Damit das erfolgreich klappt, ist es nicht genug, Informationen in einem Portal einzustellen. Vielmehr geht es darum, aktiv den Dialog und den Austausch zu suchen und Zuzuhören. Und dass vor allem dort, wo eine potenzielle Community vertreten ist. Das bedeutet für öffentliche Einrichtungen, Neuland in Bezug auf Kommunikationskanäle zu betreten und verstärkt Social Media Plattformen zu nutzen, die von den Menschen, mit denen sie kommunizieren möchten besonders viel genutzt werden. Je nach Personengruppe kann das eher Instagram, Twitter, Snapchat oder andere sein. Damit sich Menschen auf diesen Plattformen gerne an Diskussionen beteiligen, muss Kommunikation authentisch und von Vertrauen geprägt sein und auf Augenhöhe stattfinden. Ich bin mir sicher, das heißt für die Münchnerinnen und Münchner, dass es in Zukunft noch mehr Möglichkeiten geben wird, sich aktiv an virtuellen Diskussionen rund um die Digitalisierung der Stadt einbringen zu können (Input von Martin Fuchs, Blogger & Politikberater).
  • Die Herausforderungen der Digitalisierung auf kommunaler Ebene sind so umfassend, dass auch eine so große Stadt wie München sie alleine nicht bewältigen kann. Zusammenarbeit und Erfahrungsaustausch sind deshalb gefragt. München hat deshalb auf bayerischer Ebene Kooperationen mit den Städten Augsburg und Nürnberg geschlossen. Auf europäischer Ebene wird eng mit Wien zusammengearbeitet. Und auch international sucht das IT Referat Austausch und Anregung (dazu, was alles möglich ist und auch dazu, was ggfs. nicht wünschenswert ist), z. B. bei Lernaustauschen mit Städten in China (Input von Thomas Bönig, IT Referent der Stadt München & Robin Heilig, Digitale Innovation bei der Stadt Wien).
  • Wirkungsvolle Digitalisierung lebt von Optimismus und vom „Machen“. Christina Siepmann hat die Initiative Voisionary gegründet. Sie hat im Abschlussvortrag des Tages darüber berichtet, dass sie Menschen mit Sehbeeinträchtigungen durch den Einsatz von elektronischer Sprachverarbeitung ein besseres und inklusiveres Leben ermöglichen möchte. Sie hat zum Start ihres Vorhabens zunächst viele kritische Fragen gestellt bekommen. Das „Warum“ der Initiative und ihre möglichen positiven gesellschaftlichen Auswirkungen standen oft nicht im Vordergrund. Sie bleibt trotzdem mit Optimismus dabei. Dafür hat sie auch geworben: positive Ziele definieren und diese nachhaltig verfolgen. Und dadurch die Gesellschaft Stück für Stück digitaler, aber auch sinnvoller und besser für Viele zu machen.

Wenn ich auf den Tag zurückschaue, würde ich sagen, dass das Motto „Mensch und Technik“ oder „Mensch mit Technik“ für den Tag noch passender gewesen wäre als „Mensch statt Technik“. Denn beide Aspekte sind nicht voneinander zu trennen. Vielmehr geht es darum, technische Lösungen zu entwickeln und einzusetzen, die für möglichst viele Menschen eine positive Wirkung haben.

Professor Nassehi hat in seinem Beitrag soziologische Aspekte der Digitalisierung beleuchtet und betont, wie zeitintensiv und schwierig solche gesellschaftlichen Veränderungen sind. Er prognostiziert: „Die Digitalisierung wird sich erst dann komplett durchgesetzt haben, wenn nirgendwo mehr Digitalisierung draufsteht.“ Durch die Anstrengungen der Stadt und speziell des IT Referats blicke ich da mit viel Optimismus in die Zukunft, dass das für München nicht der Fall sein wird.

Vielen Dank an das IT Referat für die Organisation der sehr informativen Veranstaltung mit spannenden Einsichten. Ich bin im nächsten Jahr sehr gerne wieder dabei.

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