Warum denn auf einmal zusammen? Zur Notwendigkeit von Kooperation und Netzwerken in der digitalen Welt

In den Diskussionen um das Arbeiten in der digitalen Welt finden sich viele Aufrufe dazu „Silos einzureißen“ und mehr in Netzwerken zu arbeiten. Ganz Begeisterte sprechen von der digitalen Wirtschaft sogar als „Kooperationsökonomie“. Warum ist Kooperation und Netzwerkbildung für Teams und Organisationen so wichtig?

Dafür lassen sich drei Hauptgründe ausmachen:

  • Zunehmende Komplexität: Produkte und Dienstleistungen und Agieren in der digitalen Wirtschaft ist durch zunehmende Vernetztheit gekennzeichnet, eine Einzelperson oder eine Gruppe mit sehr abgegrenzter Expertise kann wenig ausrichten. Um es an einem vergleichsweise überschaubaren Beispiel zu verdeutlichen: Ein Hersteller von Küchengeräten will einen intelligenten Kühlschrank entwickeln, der Bestände von Lebensmitteln überwacht und Lebensmittel automatisch nachbestellt. In diesem Fall benötige ich immer noch ein Team von Ingenieuren, das den Kühlschrank an sich entwickelt. Darüber hinaus wird nun vielfältiges weiteres Know-how benötigt: Sensortechnik, eine Plattform, in der die Daten, die der Kühlschrank sammelt zusammengetragen werden, Algorithmen, die es ermöglichen festzustellen, wann Lebensmittel ausgehen oder schlecht werden, Schnittstellen zu Online-Einkaufsmöglichkeiten und Design, damit die App, über die ich den Kühlschrank steuere auch schick aussieht. Und am Ende müssen es alle Beteiligten schaffen, ihr Know-how in einem Produkt zusammen fließen zu lassen, das sich leicht benutzen lässt und dem Käufer das Leben leichter macht. Ganz schön viel. Für einen Kühlschrank. Und ganz schön viele Leute, die dafür zusammenarbeiten müssen. Ein klassisches Arbeiten und Denken in separierten Abteilungen und Teams kann sich also zum Hemmschuh entwickeln, wenn es darum geht komplexe Probleme zu lösen.
  • Geschwindigkeit: Dazu kommt, dass technologische Entwicklungen in immer schnellerem Tempo voranschreiten. Dinge wie bisher gewohnt schön sequenziell in verschiedenen Organisationskästchen zu entwickeln und dann an das nächste Organisationskästen zur Weiterbearbeitung zu geben dauert schlicht zu lang. Gemeinsames Tüfteln an Lösungen ist gefragt, um nicht nur tolle Lösungen zu entwickeln, sondern um dabei auch schnell zu sein.
  • Purpose: Eine Entwicklung der aktuellen Arbeitswelt ist der Wunsch Vieler, nicht einfach nur ins Büro/ zur Arbeit zu gehen und dort irgendetwas zu tun, womit ich am Ende des Monats so viel Geld verdient habe, dass alle Ausgaben gedeckt sind. Vielmehr besteht der Wunsch, an etwas zu arbeiten, dass auf ein größeres Ziel einzahlt. Dass ich mit meiner Arbeit einen Beitrag leisten kann zu etwas, das für mich persönlich Sinn macht. Und so ein größeres Ziel ist vor allem in Kooperation mit anderen zu erreichen.

Es gibt als gute Gründe für jede Organisation, sich stärker auf Kooperation auszurichten. Ein Agieren in Netzwerken und konsequente Kooperation ist jedoch heute in und zwischen Organisationen aber noch lange keine Selbstverständlichkeit. Zu sehr sind wir es von „klassischem Arbeiten“ gewohnt, in Partikularinteressen zu denken: zum Beispiel in einem Projektteam für ein neues Produkt denkt das Teammitglied, das aus dem Vertrieb kommt zunächst an die Interessen der Vertriebsabteilung und die Mitarbeiterin aus der IT zunächst primär an die Interessen der IT Abteilung und (maximal) als nächster Schritt an ein gemeinsames Interesse, ein tolles Produkt zu entwickeln.

Das sollte sich schnell ändern. Welchen Instrumente eingesetzt werden können, um zu einer kooperativeren Organisationsarchitektur zu kommen, darum geht es nächste Woche in einem zweiten Beitrag zum Thema „Kooperation & Netzwerke“. Bis dahin: Macht es gut.


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